BESUCH BEI NATURRAD

Tobias und Naturrad ist mir schon länger bekannt. Er sticht heraus. Er ist groß, kleidet sich zweckmäßig, hat Räder, die anders aussehen, nicht nur weil sie eine Sitzrohrlänge von 60cm übersteigen. Konsequent benutzt er die Alu-Kabelhüllen von Swiss Comp, bohrt Lenker, um Züge innen zu verlegen, bei Lenkern, die gar nicht dafür gedacht sind. Und wenn man ihn darauf anspricht, weißt er jeden Zweifel über Instabiliät weit von sich und kann das dann auch mit vertrauenserweckenden Fachwörtern belegen, die er zu starken Argumenten zusammensetzt, sodass der Laie (ich), der die Wörter zum ersten mal hört, überzeugt ist. Nicht wegen der Wörter selbst, sondern wegen der Art und Weise wie die zu sinnvollen Sätzen geformt worden sind. Der Mann kennt sich aus, weiß wovon er spricht und er macht es unaufgeregt, selbstverständich, sympatisch.


Sein Wissen scheint tiefer zu gehen, als das Übliche. Aber das war und ist nicht alles, was ihn bemerkenswert macht. Er war der erste, der mir einen Fahrradlenker aus Holz gezeigt hat und er hat ihn selber gemacht. Es begann an einem Sonntag vor 3 Jahren, als er einen Lenker brauchte. Säge, Besenstiel, ein Stück Blech an der Klemmung und der erste Holzlenker war geboren. Es sollte nicht dabei bleiben. Sein erster originärer Holzlenker ist immernoch in Benutzung, ein solides Stück Holz präzise und sauber gearbeitetet mit ergonimischen Griffmulden. Ja, ich weiß, inzwischen hat jeder sowas schon auf Blogs gesehen...



Seine furnierten Lenker zeugen von einer Akribie und handwerklichem Geschick, dass es mir die Sprache verschlägt. Einige Lenker hat Tobias auch schon verkauft. Meistens sind es Anfertigungen nach Wunsch, der auch durchaus mal 30 Mails vorhergehen können. In der Zukunft ist auch die Verwendung von Nassdampfbiegetechnik (ein Wort, dass ich vom Meister habe) für weitere Lenkerformen geplant. Und ich bin mir sicher, dass es seinesgleichen sucht, wenn es soweit ist.



Auf Nachfrage bezeichnet Tobias sich als Kauz. Er kann tagelang allein in seiner Werkstatt in einem Keller in Lichtenberg arbeiten. Da er aus der Luftfahrttechnik kommt, ist er mehr als geeignet, um Lenker zu bauen und es gibt aber schon Ideen und Prototypen für andere Dinge. Zum Beispiel seinen ersten Bambusrahmen.



Bei Rahmenhöhen jenseits von 62 cm kann es unter Umständen eine Herausforderung seinen ein steifes Konstrukt zu bauen. Bambusrahmen bleiben in der teilweise konservativen Fahrradszene Exoten, die auch mal auf Ablehnung treffen. Ich persönlich bin begeistert von Andersartigem und davon hat dieses Modell einiges zu bieten. Innenverlegte Züge, wunderbar verarbeitet, einen geleimten (Tobias?) Lenker, und eine holzverkleidetet Sattelstütze...Tobias ist glücklich, dass er seine Bambuspläne endlich umgesetzt hat und ist sehr zufrieden mit der Verwindungssteifigkeit. Als nächstes steht ein Rahmen in einer gänigeren Größe geplant "damit den auch mal andere fahren können". So sauber arbeiten zu können benötigt Vorbereitung, Pfelge von Werkzeugen und Werkstatt, bis hin zur Herstellung von eigenen Werkzeugen. In die Konstruktion der Rahmenlehre für den Bambusrahmen ist viel Überlegung und Zeit geflossen.

"Wissen und nicht vermuten", nachlesen und -fragen haben zu einem hoch spezialiesertem Wissen geführt, dass sich vor allem auf Rennräder konzentriet. Mit dem Planentengetrieb einer Nabenschaltung kann er (bis jetzt) noch gar nichts anfangen. Eine weitere Idee ist ein Rahmen aus furniertem Holz. Bis jetzt gibt es ein Rohr, dass ursprünglich mal das Unterrohr werden sollte.


Der Kern ist weich und leicht, die einzelnen Lagen sind aus verschiedenem Holz um ihre Eigenschaften zu verbinden. Die Rahmenbauerfahrung mit Bambus dient unter anderem auch dazu, einige Fehler schon begangen zu haben, bevor diese Rohre verbaut werden, die sehr Zeit- und Arbeitsintensiv in der Herstellung sind.

Naturrad sitz auf dem gleichen Gelände, wie meine geliebte Ozon Cyclery. Auf dem gleichen Gelände hat sich auch der Verein Triebwerk Grün niedergelassen, die auch Workshops zum Bambusrahmenselbstbau anbieten. Wie Tobias, finde ich es auch großartig, dass sich dort im schönsten Lichtenberg, kurz hinterm Ostkreuz ein Zentrum der Holz- und Bambusverabeitende Fahrradindustrie entwickelt. Seit Jahren beobachten wir die erstaunlichen Machenschaften der von Hand fertigenden amerikanischen Fahrradindustrie in Oregon und Californien. Es scheint, dass wir nicht mehr so weit schauen müssen um erstklassige und inovative Ideen und deren Umsetzung zu finden. Ich denke, dass diese Entwicklung eine Zukunft hat und sich nicht auf Berlin beschränken wird.


Kommentare:

  1. Einfach einsame Klasse! Jedes Rad ein Unikat vom Meister! Das außergewöhnliche für den anspruchsvollen Liebhaber sportlicher Fahrräder.
    Danke für den Beitrag! Das werden wir uns vor Ort ansehen müssen.

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