OMNIUM LASTENRAD – WENIGER LAST MEHR RAD!

Als Radkurier lebe ich immer mit der Angst, dass eines Tages die modernen Kommunikationswege, meinen Beruf überflüssig machen. Das Internet wird juristisch immer verbindlicher, 3D-Drucker sind im Kommen. Eine beruhigende Vorstellung für mich und meine Kollegen sind Lastenräder!

Das in Europa vorherrschende Modell ist das Bullit von Harry vs Larry. Aber wer will schon mit einem schwerfälligen Alumonstrum mit über 20 kg Leergewicht und schier endlosem Radstand durch die Stadt ächzen? Ich jedenfalls nicht. Dieses Jahr hat Europa eine großartige Alternative beschert. OMNIUM Cargo aus Kopenhagen sei dank!

Das OMNIUM Cargo als Familienkutsche mit Kindersitz und Kiste,  © OMNIUM

Jimmie "Jumbo" Bargisen, der selber einmal die Lastenraddisziplin einer Radkurierweltmeisterschaft für sich entscheiden konnte, hat sich das Rahmenkonzept von Bilenky zum Vorbild genommen. Bilenky und seine Lastenrad sind bei amerikanischen Kurierfirmen seit einigen Jahren sehr beliebt und weit verbreitet. Bilenky ist ein mittelständisches Unternehmen, das seine Rahmen auch selber fertigt. Sie sind in Europa nur mit hohen Lieferkosten und dem üblichen Zollstress eines Direktimports zu bekommen. OMNIUM läßt seine Stahlrahmen in Taiwan fertigen, was sich im kundenfreundlichen Preis niederschlägt. 

Jimmie "Jumbo" Bargisen, Begründer von OMNIUM Cargo

Die Stahlkontruktion des OMNIUMs hat die Ladefläche über dem Vorderrad, im Gegensatz zum Mitbewerber Bullitt, der die Ladefläche zwischen Vorderrad und Lenker positioniert. Der Unterschied ist, dass bei der OMNIUM-Konstruktion ein geringerer Radstand erreicht wird, was das Rad bedeutend agiler (a.k.a. spaßiger) macht als das Bullitt. Die Last liegt höher, was natürlich dazu führt, dass es, wenn voll beladen, unruhiger ist als das Bullitt. In der Praxis macht sich das jedoch kaum bemerkbar.

Yohannes und Simon bei der CMWC 2013 im super bergigen Lausanne

Wenn die Ladefläche nur leicht beladen ist, fährt sich das Rad wie ein "richtiges" Rad! Das ist gerade für uns Kuriere so schön und wichtig, wird aber auch Freizeit-, und Privatfahrern zugutekommen. Dazu kommt, dass das OMNIUM ca 3 kg leichter ist als das Bullitt, was ein spürbarer Unterschied ist; noch ein Argument für den Newcomer: STAHL! In meinen Augen spricht alles dafür, ein Rad, das schweren Belastungen ausgesetzt ist, aus Stahl zu fertigen und nicht aus Aluminium. Aluminium kann anfangs zwar sehr steif sein, neigt aber zu Ermüdungsrissen, was die frühen Modelle des Bullitts eindeutig bewiesen haben.Wie sich das OMNIUM im Dauertest macht bleibt noch abzuwarten. Einer meiner Kollegen bei der Cosmo Kuriergenossenschaft, fährt das OMNIUM seit Oktober täglich und ist nach wie vor begeistert.


Die OMNIUM Cargo-Geometrie, © OMNIUM

Die Bullittgeometrie als Skizze, © Larry vs Harry


Die wichtigsten Unterschiede zwischen OMNIUM Cargo und Harry vs Larry Bullitt im Überblick

OMNIUMBullitt
RadstandLadefläche über dem Vorderrad, dadurch geringer Radstand, was das Rad fast so agil macht wie normales RadDie Ladefläche ist zwischen Vorderrad und Lenker. Durch ist der Radstand länger, das Rad also recht schwerfällig. Der geringe Schwerpunkt der Ladung macht das Rad, wenn schwer beladen, einfacher zu steuern
Gewicht: Es gibt leider nicht von beiden Rahmen genaue Angaben. Je nach Aufbau variiert das Engewicht natürlich. Das OMNIUM wiegt ca. 3kg weniger
LaufradgrößeVorne: 20" (451C); Hinten: 28"Vorne: 20"; Hinten: 26"
MaterialStahlAluminium
Ladefläche50 cm breit, 83 cm lang, nach vorne offen46 cm breit, 71 cm lang, durch Vorderrad begrenzt


Hinweis: Ich habe nichts für diesen Beitrag nichts bekommen oder verlangt. Ich find das Ding einfach verdammt gut.

Kommentare:

  1. Also ich fahre ein Bullitt seit fast einem Jahr und will es auf keinen Fall tauschen. Der hohe Schwerpunkt ist für mich das K.O.-Kriterium für das OMNIUM.

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  2. Auch der Ständer des OMNIUM scheint mir eher ein Witz bei viel Zuladung. Zum Vergleich das Bullitt schafft 100 kg.

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  3. wie hoch ist denn beim omnium das maximale zuladungsgewicht?

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  4. Ich denke, dass der hohe Schwerpunkt eine Geschmackssache und eine Frage des Einsatzbereichs ist. Manche fahren halt gern Bahnräder mit nem Radstand von unter 100cm, andere nehmen lieber den Spurtreuen Randoneur, das ist beim Lastenrad wohl ähnlich. Zur Frage des Einsatzbereichs: Wenn man mit dem Rad Großeinkäufe und i.d.R. immer 50kg+ läd, macht der geringe Bullitschwerpunkt Sinn. Wenn man aber als Kurier am offenen Funk mit anderen herkömmlichen Rädern unterwegs ist, Anfahrten machen muß, Deadlines halten will, auch kleine Ladungen fährt ist, ist das Omnium nicht viel mehr Spaß, sondern auch viel besser geeignet.

    Der Ständer hält zwar unser Erfahrung nach alle Gewicht aus, aber leiert leider recht schnell aus, sodass er während der fahrt klappert oder sogar auf dem Boden schleift. Da besteht definitv Verbesserungsbedarf.

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  5. OMNIUM schreibt, dass das empfohlene Höchstgewicht 175 kg inklusive Fahrer beträgt.

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  6. super. vielen dank für die schnelle antwort. wenn der preis jetzt auch noch stimmt, werde ich mir wohl so ein rad kaufen

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  7. Ich verkaufe ein selbst aufgebautes Omnium in Berlin.
    Wer möchte, der melde sich bei mir. jk@datenrepublik.de
    Bin fast alle gängigen Cargo-Modelle gefahren. Keins ist so schnell und agil wie das Omnium. Die Zuladungsgrenze bewegt sich für Ungeübte bei etwa 40 kg (Bauchpeilung).

    Viele Grüsse!
    J.

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